Vorankündigung und Einladung

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Deutscher Germanistentag 2001

am 30. September – 3. Oktober in Erlangen


Dies ist das Programm des letzten Deutschen Germanistentags, Bonn 1997

in       Sprache

     Autorität                              Literatur

     den       Neuen Medien

Rheinische Friedrich - Wilhelms - Universität Bonn

21. bis 24. September 1997

Programm

Deutscher Germanistenverband in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der Universität Bonn

Das Rahmenthema lautet "Autorität". Gedacht ist sowohl an die Untersuchung von Autorität in der Sprache, in der Literatur, in den 'neuen' Medien als auch an die Analyse der Autorität der Sprache, der Literatur, der 'neuen' Medien in ihrer Geltungskonkurrenz.

'Autorität' ist eine jener Kategorien, deren Untersuchung sofort ins 'Zentrum' sozialer, kultureller Beziehungen führt. Wer spricht wie und mit welchem Anspruch? Die Beantwortung dieser für die Kulturwissenschaften entscheidenden Frage eröffnet stets eine Hinsicht auf 'Autorität'. Autorität galt und gilt (?) als Bedingung der Möglichkeit, Legitimität zu begründen, ein komplexes Gedächtnis zu sichern, Politik zu betreiben. Und noch jede Aufklärung über Autorität setzt (auf) die Autorität der Aufklärung, gebraucht also 'Wahrheit' selbst als Autorität und nicht als das ihr Entgegengesetzte. Auctoritas fecit legem, macht 'Autorität' das Gesetz? Um dieses 'Gesetz' aufzuzeichnen, muß man bald der Schrift mächtig sein. Auctoritas als Autorschaft und Autorität werden enggeführt, von nun an ist Autorität an die Möglichkeiten medialer Speicherung gebunden. Korrespondiert dem ein Autoritätsverlust der Stimme? Wie hängen Autorität und die Beherrschung eines spezifischen Mediums zusammen?

Die Frage nach dem Bedarf, der Funktion und der Inszenierung, also der Form von Autorität, ermöglicht einen Blickpunkt auf die Geschichte von Kultur, ja die Geschichte der Kultur läßt sich schreiben als die Geschichte des jeweiligen Umgangs mit 'Autorität'. Nimmt man - und es ist unmöglich, dies nicht zu tun - Autorität in Anspruch, so schreibt man sich in etwas Vorgängiges ein (in eine Genealogie, in Tradition, eine bislang oder schon einmal bedeutende Nation usw.). Die Geltung bzw. der Geltungsanspruch der eigenen Sätze werden mit dem Deuten auf etwas Zurückliegendes begründet. Was macht das 'Vorgängige' zur Autorität? Welche Geltung hat das Zitat, das für einen Geltungszusammenhang steht? Warum sich auf die Kirchenväter berufen, warum auf Kant, warum auf Brecht, warum auf Konrad Adenauer oder Kurt Schumacher? Welcher Konsensus steuert die Wahl? Wen setzt man 'ins Wissen, ins Gedächtnis, in besondere Fähigkeiten' ein?

In historischer Perspektive ist Autorität zunächst zu etablieren versucht worden, indem man das Alte, den Ursprung, idealisierte. Das Alte, die Vergangenheit galten als gleichbedeutend mit 'Autorität', und es genügte bereits, sich auf solches Alte zu beziehen, um seiner Position Geltung zu verschaffen. Dieses Modell trägt nicht länger, wenn die eine Vergangenheit in konkurrierende Geschichten zerlegt wird. Nun entstehen Traditionen, die sich in ihrem Anspruch, an das rechte und nicht an das schlechte Alte anzuschließen, bekämpfen. Jede Bewegung gewinnt auf diese Weise ihre eigenen Klassiker. Und jede Bewegung versucht, die eigene Position wieder mit der 'Natur der Dinge' in Verbindung zu bringen und das Andere als Unnatur, als nicht dazugehörend, auszuscheiden. Dabei ist deutlich zu sehen, daß Autorität in der modernen Gesellschaft in Anspruch zu nehmen heißt, sich einer Rhetorik der Autorität zu bedienen. Mit einigem Recht läßt es sich daher sagen, daß alle Versuche, Autorität zu etablieren, den rhetorischen Fundus der Vergangenheit wiederbeleben. Sie nutzen die strukturelle Ordnung, die die autoritätssichernden Figuren vorgeben, die Erzählungen, in denen Autorität erst begründet wird, die Bildlichkeit, mit der Autorität bereits erfolgreich zur Darstellung gelangte, die Mythen und Rituale, deren Zitation die Autorität bislang verbürgte usw. Und man kann wohl folgern, daß in diesem Lichte die Krisen von Glaubwürdigkeit und Geltung auch Krisen einer Rhetorik darstellen, mit deren Hilfe bislang Glaubwürdigkeit und Geltung fraglos gesichert schienen. Dies trifft die Religion, die Kunst, die Wissenschaft, die Wirtschaft, das Recht und insbesondere die Politik. Alle haben teil, wiederholen die grundlegenden (literarischen) Muster, mit deren Hilfe und in denen sich ein Bezug auf Autorität entwickeln, der eigenen Rede Legitimität verschaffen läßt.

Dies trifft natürlich auch die Germanistik selbst. Der Aufstand gegen die national fundierte Autorität einer "deutschen Wissenschaft" auf dem Münchener Germanistentag von 1966 liegt bereits 30 Jahre zurück. Inzwischen ist der versuchte Paradigmawechsel von der Autorität zur Gegenautorität längst historisch. Das Fach hat sich in Teilfächer aufgespalten, seine Geltungsansprüche diversifiziert und verzeitlicht. Wie steht es heute um die Autorität des eigenen Fachs? Wie um die Autorität seiner Gegenstände?

Der Bonner Germanistentag will es sich zur Aufgabe machen, die Bedeutung von Autorität, soweit es im Vermögen der historischen, medialen und kulturwissenschaftlichen Ausrichtung des Fachs liegt, zu untersuchen.

Vorgesehen sind sechs Sektionen:

Die einzelnen Sektionen (mit Arbeitskreisen) werden von Plenarvorträgen eingeleitet; Eröffnungsveranstaltung, Podien und Lesungen ergänzen das Programm.


Programmübersicht









Sonntag, 21.09.1997

Eröffnungsveranstaltung (Beginn: 16.30 Uhr)

Begrüßung und Einleitung:

Eröffnungsvortrag Adolf Muschg: Autoritär? Ultimativ!

19.00 Uhr: Empfang im Rathaus der Stadt Bonn durch Frau OB Bärbel Dieckmann

20.30 Uhr: POP. Wort und Musik. Mit Jochen Distelmeyer und Thomas Meinecke (Eintritt und Ort werden noch bekanntgegeben)


Montag, 22. 09. bis Mittwoch, 24. 09. 1997
Sektionen, Arbeitskreise, Podien, Lesungen

Sektion I: Autorität der Sprache - Autorität in der Sprache

Autorität in Verbindung mit Sprache kann auf zweierlei Weise gesehen werden: Einerseits als Autorität "der Sprache" selbst, die uns mit ihren Normierungen und den in den sprachlichen Ausdrücken gefestigten Perspektiven gewissermaßen autoritär gegenübertritt. Andererseits wird aber auch Autorität "durch Sprache" verliehen, dient Sprache als Medium, mit dessen Hilfe Autorität, Status und Dominanz inszeniert werden können. Beide Perspektiven sollen in dieser Sektion aufgegriffen und in sprachhistorischer, sprachsystematischer und sprachkultureller Hinsicht entfaltet werden.

Einzelne Fragestellungen können sich etwa auf die Institutionen und Geltungsansprüche von Sprachnormierungen beziehen, Erscheinungs- und Wirkungsweisen solcher Prozesse thematisieren oder sich auf den Bedarf an "Autorität" durch Sprachnormierung und Sprachpflege richten. Spezifische Anwendungsbereiche wie Wissenschaft und Öffentlichkeit, Politik, Medien und Schule können auf Formen und Funktionen autoritärer Rede und autoritärer Kommunikation untersucht werden. Nicht zuletzt wäre auch nach Gegenbildern von sprachlicher Autorität zu fragen.

Leitung

Chairs Plenarvortrag Sektionsvorträge Arbeitskreise Sektion II: Autorität der 'neuen' Medien, Autorität in den 'neuen' Medien

Gefragt wird einmal nach den medialen und diskursiven Strategien, mit denen jemand für sich Autorität reklamiert, mit denen Autorität inszeniert, ausgeübt oder angezweifelt wird. Zum anderen geht es um die Geltung der als Neue Medien bezeichneten Techniken selbst, um ihre Effekte und Praktiken, ihre Formen und Gattungen.

Leitung

Chair Plenarvortrag Sektionsvorträge Arbeitskreise Sektion III: Autorität der Literatur, Autorität in der Literatur

Die dritte Sektion ist sowohl alt- als auch neugermanistisch ausgerichtet. Es geht um die Frage, wie sich Autorität durch Literatur bzw. im Medium der Schrift konstituiert, wie sich literarisch fixierte Geltungsansprüche gegenüber konkurrierenden Formen der Autoritätsbildung (z.B. materielle und mündliche Formen der Repräsentation, religiöse und weltliche Rituale) behaupten oder auch zurücktreten und wie sie relativiert oder destruiert werden.

Plenarvortrag

Die Sektion gliedert sich in drei Teilsektionen (IIIa, b, c).

Sektion IIIa (Autor, Figur, Genealogie)

Leitung

Chairs Sektionsvorträge Sektion IIIb (Kanon, Gender, Körper)

Leitung

Chairs Sektionsvorträge Sektion IIIc (Form, Subversion)

Leitung

Chairs Sektionsvorträge Arbeitskreise Sektion IV: Autorität der Wissenschaften von Sprache, Medien und Literatur, Autorität in den Wissenschaften

Die Sektion versucht einerseits, die Autorität der zunächst philologisch orientierten und sich nun in kultur- und medienwissenschaftliche Bereiche ausweitenden Germanistik zu beleuchten; andererseits will sie die Entstehung und Stabilisierung von Autorität in der Wissenschaft selbst untersuchen.

Leitung

Chairs Plenarvortrag Sektionsvorträge Arbeitskreis Forum: The Next Generation. Neueste Ansichten einer künftigen Germanistik

Leitung:

Statements vorgesehen, weitere Statements willkommen zu: Sektion V: Autorität in der Vermittlung von Sprache, Literatur und 'neuen' Medien

Über Autorität von Sprache, Literatur und Medien in Vermittlungsprozessen zu reden, bedeutet, sich grundsätzlich mit der seit der Aufklärung in der bürgerlichen Gesellschaft herrschenden Idee und Praxis einer intellektuellen Elite und mit der Vorstellung auseinanderzusetzen, daß Sprache und Literatur als Kulturgüter bis heute aus der Sicht dieser Minderheit einer professionellen Vermittlung an die Mehrheit unbedingt bedürfen.

Dabei spielen und spielten drei Momente immer schon eine konstituierende Rolle: das Selbstbild der Vermittler (Künstler, Wissenschaftler, Lehrer, Kritiker), die Macht- und Autoritätspotentiale des Vermittelten (Sprache und Literatur) und die Institutionen, Medien und Strategien der Vermittlung (Kanon, Interpretationsrituale, Bildungsvorstellungen usw.).

Nach einer zweihundertjährigen, weitgehend durch autoritäre Modelle geprägten Geschichte der Vermittlung und einem kurzen anti-autoritären Zwischenspiel in den sechziger und siebziger Jahren befinden wir uns heute an einem Punkt, an dem noch nicht entschieden ist, auf welche Weise und mit welchem Selbstverständnis Sprache und Literatur zukünftig vermittelt werden sollen: Eine günstige Gelegenheit für historische Vergewisserung, Selbstreflexion und Neuorientierung.

Leitung

Chairs Plenarvortrag Sektionsvorträge Arbeitskreise Sektion VI: Studentische Sektion

Im Rahmen des Themas 'Autorität' feiert die Studentische Sektion ihre Premiere. Wir freuen uns, Euch acht Vorträge präsentieren zu können. Neben den Referaten veranstalten wir einen Arbeitskreis zur 'Germanautik', in dem wir gemeinsam versuchen wollen, die Situation von Studierenden innerhalb der Disziplin zu bestimmen. Um richtig in Fahrt zu kommen, feten wir am Sonntagabend mit dem DJs Thomas Meinecke und Jochen Distelmeyer.

Leitung

Sektionsvorträge Arbeitskreis Podien

Podium I: Autorität, Rhetorik, Politik (Montag, 20.00 Uhr)

Teilnehmer/Innen:

Diskussionsleitung Podium II: Autor und Autorität (Dienstag, 20.00 Uhr)

Lars Gustafsson: FREUNDE UNTER DEN TOTEN

Einführung: Wilhelm Voßkamp, Köln (Eintritt: DM 10.00)

Podium III: Die Autorität der Antiautorität. Die 68-er Bewegung und die politische Kultur heute (Mittwoch, 14.30 Uhr)

Teilnehmer:

Lesung

Lesung mit Sarah Kirsch und Hans-Joachim Schädlich (Dienstag, 15.30 Uhr)

Einführung: Birgit Lermen, Köln; Michael Braun, Bonn (veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Haus der Sprache und Literatur Bonn)

Kulturbörse

Ausstellungen, Selbstdarstellungen und Vorträge literarischer Gesellschaften, wissenschaftlicher Vereinigungen und Verlage

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